Wohnungsmarktbericht: „Der Mieter muss nehmen, was er kriegen kann“

Es ist und bleibt ein Kampf auf dem Dortmunder Wohnungsmarkt. Die Mieten steigen und der Wohnraum wird knapp. Das geht aus dem neuen Wohnungsmarktbericht der Stadt hervor. 

Die Stadt Dortmund erstellt jährlich einen Bericht zur Einschätzung der aktuellen Situation und zu den Entwicklungsaussichten auf dem Dortmunder Wohnungsmarkt. Dieses Analyseinstrument ermöglicht es den Aktteuren, frühzeitig wohnungspolitische und wohnungswirtschaftliche (Investitions-) Entscheidungen zu treffen.

Der Wohnungsmarktbericht wird auf der Grundlage eines komplexen kommunalen Wohnungsmarkbeobachtungssystem erstellt, das Anfang der 1990er Jahre beim Amt für Wohnen und Stadterneuerung entwickelt wurde und in den vergangenen Jahren bundesweit Verbreitung gefunden hat.

Dortmund wächst. Und auch 2016 ist Dortmund stark gewachsen. Am Stichtag 31. Dezember 2016 lebten laut der kommunalen Statistik 601.150 Personen in Dortmund und somit 4.575 Personen mehr als im Vorjahr. 2017 wird sich das etwas abschwächen, aber Dortmund wird vermutlich weiter über 600.000 Einwohner haben. So kommt es weiter zu einem Zuwachs an Haushalten. Vor allem auch im Studentenbereich. Im Vergleich zu 2015 ist die Stadt noch einmal um 2.000 Haushalte gewachsen. Das verrät der neue Wohnungsmarktbericht der Stadt.

„Der Wohnungsmarkt in Dortmund spannt sich zunehmend weiter an“, sagt Stadtrat Ludger Wilde. Denn: Die Nachfrage steigt. Von allen Studierenden wohnen 22.000 in Dortmund. Zum Vergleich: 2008 waren es „nur“ 11.000 und somit die Hälfte. „Dortmund ist ein attraktiver Wohnstandort. Früher waren wir eine Einpendel-Uni, heute ziehen immer mehr Studierende nach Dortmund“, so Wilde.

„Es muss weiter investiert werden“

1.794 Wohnungen wurden 2016 genehmigt. Aber die Fertigstellung von Wohnungen müsse steigen, so Wilde. „Es muss weiter investiert werden.“ Die Situation der Wohnbauflächen sei hingegen entspannt. „Es sind Flächen vorrätig.“ Rund 200 Hektar Wohnbaufläche stehen zur Verfügung. Dort können rund 8.400 Wohnungen entstehen – 5.900 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern und 2.500 Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern.

„Für den geförderten Wohnungsbau hat die Stadt Dortmund ein Globalbudget von 30 Millionen Euro für die Jahre 2015/2016/2017“, erklärt Thomas Böhm, Leiter des Amtes für Wohnen und Stadterneuerung. Das sei aber flexibel, da Dortmund für das Jahr 2016 zum Beispiel 38,5 Millionen Euro bekommen hat. So wurden 503 Wohnungen gefördert.

In den beiden Jahren 2015 und 2016 hatte Dortmund 87,5 Millionen Euro, dadurch entstanden 1.438 Wohnungen und 614 Neubauten. „Das sind tolle Qualitäten, die hier gebaut werden“ versichert Böhm. Es gebe viele Haushalte, die prüfen lassen sollten, ob sie Anspruch auf Wohnungen im geförderten Wohnungsbau haben. „Wir wünschen uns, dass sie Chancen auf gute Qualität zu gutem Preis haben können“, erläutert Böhm weiter.

Wohnungsmarktbericht 2017 Karte: Kleinräumige Darstellung der mittleren Angebotsmieten (2015/2016). Quelle: empirica-Preisdatenbank (Basis: empirica-systeme.de)
Kleinräumige Darstellung der mittleren Angebotsmieten (2015/2016). Quelle: empirica-Preisdatenbank (Basis: empirica-systeme.de)Scrennshot

Anstieg von 33 Cent pro Quadratmeter

Julia Meininghaus, zuständig für die kommunale Wohnungsmarktbeobachtung, betont, dass es in Dortmund einen ausgewogenen Wohnungsmarkt gebe. „Mieter können hier vergleichsweise bundesweit günstig mieten.“ Im Miet-Niveau gebe es in Dortmund zwar steigende Preise, die wären aber vergleichsweise günstig. Der Median der Nettokaltmieten erhöhte sich von 6 Euro pro Quadratmeter (2015) auf 6,33 Euro pro Quadratmeter (2016). Bei Neubauten liegt die durchschnittliche Miete bei 10 Euro.

Die Zahl der Leerstände geht hingegen zurück. 1,7 Prozent beträgt die sogenannte strukturelle Leerstandsquote zum Stichtag 31. Dezember 2016 und weist mit ihrer rückläufigen Entwicklung ebenfalls eine zunehmende Anspannung auf dem Dortmunder Wohnungsmarkt hin. Die geringe Leerstands-Quote sei aber auch ein Anzeichen für die schnellere Wiedervermietung auf dem Dortmunder Mietwohnungsmarkt.

Wohnungsmarktbericht 2017 Karte: Strukturelle Leerstandsquote zum 31. Dezember 2016 Quelle: Amt für Wohnen und Stadterneuerung nach Daten der dortmunderstatistik
Strukturelle Leerstandsquote zum 31. Dezember 2016
Quelle: Amt für Wohnen und Stadterneuerung nach Daten der dortmunderstatistik

„Der Mieter muss nehmen, was er kriegen kann“

Die Prognose für die Zukunft? Schwer zu sagen. „Es gibt momentan noch einen höheren Bedarf, als zusätzlich an Wohnraum gebaut wird“, so Wilde. Er vermutet, dass diese Entwicklung auch noch drei bis vier Jahre anhalten wird. „Ich hoffe, es entspannt sich“, gibt Wilde zu. „Der Mieter muss nehmen, was er kriegen kann“, fasst Stadtrat Wilde zusammen. 1,7 Prozent struktureller Leerstand seien nicht normal.

Das wäre irgendwas um die drei Prozent. Wenn der Leerstand wieder etwas nach oben gehe, hätten Mieter wieder mehr Wahlmöglichkeiten. „Dortmund ist eine Stadt, die keine großen Leerstände hat“, unterstreicht Böhm das Problem. Insgesamt standen rund 5.550 Wohnungen länger als sechs Monate leer wie Dormund 24 berichtet.

Für Stadtrat Wilde schlagen bei diesem Thema zwei Herzen in seiner Brust. „Auf der einen Seite ist die Freude über den Zuwachs in der Stadt, auf der anderen Seite der Wunsch, dass Bewohner angemessenen Wohnraum vorfinden sollen.“ Es sei ein Spagat, dessen Lösung vermutlich der Push von Neubau und das Werben um öffentlich geförderten Wohnraum sei.

Wohnungsmarktbericht 2017 Abbildung: Einschätzung der Situation auf dem Dortmunder Mietwohnungsmarkt in den unterschiedlichen Segmenten. Quelle: Amt für Wohnen und Stadterneuerung
Einschätzung der Situation auf dem Dortmunder Mietwohnungsmarkt in den unterschiedlichen Segmenten. Quelle: Amt für Wohnen und Stadterneuerung

Den Wohnungsmarktbericht 2017 findet ihr auf der Internetseite des Amtes für Wohnen und Stadterneuerung.

 

https://www.dortmund.de/media/p/wohnungsamt/downloads_afw/Wohnungsmarktbericht_2017.pdf

Post Author: Sternmone

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