WDR: Westfalen „gut auf Flüchtlinge aus Italien vorbereitet“ – 260.000 Euro pro Monat für leere Zeltstadt

Öffentlich-rechtliche Beschwichtigung oder beruhigende Realität? Man kann wohl einfach nur abwarten. Jedenfalls fühlen sich „die Behörden bei uns gut auf neue Flüchtlinge vorbereitet, die zum Beispiel aus Italien zu uns kommen könnten“, heißt es am heutigen Montag (3. Juli) im WDR Westfalen-Lippe.

“ Zurzeit sollen Schiffe mit mehr als 12.000 im Mittelmeer geretteten Migranten auf dem Weg nach Italien sein“, schildert der Sender. Die EU-Innenminister haben am Freitag dieser Woche eine Krisensitzung zur Lage vor Italien.

Für die westfälischen Behörden laut WDR kein Grund zur Beunruhigung. In ländlichen Regionen wie Ostwestfalen-Lippe kommen dem Sender zufolge pro Woche im Schnitt 170 Flüchtlinge an. „Die Erstaufnahmeeinrichtung in Bielefeld und die vier Zentralen Unterkünfte in Bad Driburg, Borgentreich, Herford und Oerlinghausen mit ihren knapp 3.300 Plätzen sind nur zu 60 Prozent belegt“, heißt es.

Wobei es auch zahlreiche leerstehende Flüchtlingsunterkünfte in ganz NRW gibt – die Kosten dafür laufen weiter. Beispiel:

Eine Zeltstadt im Schloss Holte-Stukenbrok mit 1000 Plätzen steht momentan komplett leer – sie kostet auch leer jeden Monat 260.000 Euro Unterhalt.

Die zuständige Bezirksregierung Detmold hält das aber für vertretbar: Man sei auf diese Weise flexibel und könne nicht mehr so überrumpelt werden wie im Herbst 2015, als die Kommunen buchstäblich von einem Tag auf den anderen Tausende Geflüchtete unterbringen mussten.


Die Zeltstadt in Ostwestfalen ist nicht die einzige Unterkunft, die Kommunen teils auf 20 Jahre angemietet haben, um auf neue Flüchtlingsströme vorbereitet sein. Anderswo wird direkt gekauft.

Zu einem „Vorbild städtischer Flüchtlingspolitik“ soll z. B. das Glunz-Dorf in Hamm werden. Dafür hat die Stadt rund 4 Mio. Euro investiert und die attraktive Immobilie – Innenstadtlage mitten in einem Park – aufgekauft. Bis Ende letzten Jahres war die Stadt Mieterin der Gebäude, was langfristig aber erheblich teurer geworden wäre, sagte der Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann zu dem Kaufentschluss.

Das Glunz-Dorf besteht aus kleinen Häusern aus Holz und Glas. Diese bieten natürlich deutlich mehr Komfort als Container: Im Keller gibt es Duschen und eine Großküche. Bald sollen bis zu 250 Flüchtlinge in der Anlage im Ahse-Park wohnen. Eine Kita (nicht nur für Flüchtlingskinder) soll die laut CDU-OB Vorzeige-Unterkunft ebenfalls bekommen, dazu wird das bisherige Fitnesscenter im Zentrum des Dorfs umgebaut.

Als „vorbildlich“ lobte bereits im Frühsommer das gemeinnützige Recherchezentrum „Correctiv“ die Flüchtlingsarbeit in Hamm. Die Geflüchteten und Zugewanderten würden in der Stadt kostengünstig, aber dennoch menschenwürdig untergebracht, heißt es in der Bewertung. Wörtlich schreibt „Correctiv“:

„Was kostet die Unterbringung pro Flüchtling? Diese Frage zu beantworten, sei sein Job, sagt Markus Kreuz, Kämmerer der Stadt Hamm. Als Betriebswirt mit einem Lehrauftrag an der Fachhochschule Münster, war ihm klar: Um die genauen Kosten pro Flüchtling zu errechnen, braucht die Verwaltung … Unterstützung. Die fand Kreuz in einem Team von der Fachhochschule Münster. Zusammen mit der Stadt Hamm stellten sie ein Modell auf und errechneten: Für die Grundversorgung, also Unterbringung, Bewachung, soziale Betreuung und Lebensmittel zahlt die Stadt im Monat pro Person 973 Euro. Ein Fazit von Kreuz: Die Unterbringung in Wohnungen ist in seiner Stadt viel günstiger als in Sammelunterkünften. Aus solchen Schlüssen könnten andere Kommunen lernen.

Als Negativbeispiel glänzt unrühmlich die Landeshauptstadt Düsseldorf: Hier lasse sich ablesen,  zu welchen Preisen die Kombination aus angespanntem Wohnungsmarkt und schneller Unterbringungsnot führen könne, kritisiert „Correctiv“.

„Während die Stadt pro Person und Monat in angemieteten Sammelunterkünften nur 226 Euro zahlte, waren es in Wohnmodulanlangen 571 Euro im Monat, in Hotels (auch die mietete Düsseldorf an) 1114 Euro pro Person und Monat und in Messehallen, Schulen oder Turnhallen sogar rund 1500 Euro pro Person und Monat. Ausgerechnet die Unterkunftsart, die für die Flüchtlinge die unangenehmste ist, ist auch die teuerste.“

Im Kreis Unna werden derzeit sukzessive ebenfalls wieder Asylsuchende zugewiesen. Selm hat sich in den kommenden Monaten auf bis zu 300 Menschen einzustellen (pro Woche ca 20), Schwerte und Lünen bekommen ebenfalls neue Zuweisungen von der Bezirksregierung Arnsberg.

Kommen unbegleitete Minderjährige an – die sogenannten UMF – werden diese sofort dem Jugendamt überstellt, das die jungen Leute entsprechend unterbringt. Die Kosten pro unbegleitetem Flüchtling liegen für jede Stadt bei rund 5000 Euro im Monat. Derzeit leben z. B. ca. 70 im Stadtgebiet Unna.

Post Author: Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

WordPress spam blockiert CleanTalk.