„Männer attackieren 12Jährige“: Verwässerungen auch auf Kosten von Fahndungserfolgen

Auch noch anderhalb Jahre nach dem tagelangen Verschweigen der Silvesterübergriffe in Köln und anderen Großstädten wird weiterhin hitzig über der Frage gestritten: Werden Informationen  über Ausländerkriminalität und speziell Straftaten durch Geflüchtete bewusst zurückgehalten, durch  den Staat oder die Polizei selbst?

Schlagzeilen machte Anfang 2016 eine langjährige freie Mitarbeiterin des WDR, Claudia Zimmermann, die einem niederländischen Rundfunksender klipp und klar gesagt hatte: Ja, der WDR sei angehalten, regierungsfreundlich (und damit flüchtlingsfreundlich) zu berichten. Wenige Stunden später ruderte die Journalistin zurück, behauptete, sie hätte Unsinn geredet unter dem Druck der Livesendung und es gebe keinerlei derartige Anweisung. „Ich habe Quatsch verzapft.“

http://www.tagesspiegel.de/medien/reaktion-auf-umstrittene-aeusserung-einer-wdr-journalistin-wir-bekommen-keine-politischen-vorgaben/12843706.html

Zumindest neigt der öffentlich-rechtliche Sender dazu, Meldungen der Polizei (in denen diese ungeschönt Fakten nennt)  kurz durch den Weichspülgang zu schicken – obwohl nach dem dem Silvester-Vertuschungsskanda eigentlich größtmögliche Transparenz versichert worden war.

Nur 14 Tage nacn Silvester 2015 wurden z. B.  in einer WDR Meldung des Studios Bielefeld wichtige Details aus einem Fahndungsaufruf verschwiegen.

Männer attackieren 12-Jährige

Zwei unbekannte Männer haben gestern Nachmittag in Minden ein 12-jähriges Mädchen attackiert. Die beiden waren mit dem Auto unterwegs, stiegen aus, hielten das Kind fest und schlugen es. Zwei Männer, die mit ihrem Auto vorbeikamen, halfen und gingen auf die Angreifer los. Das Mädchen konnte dabei flüchten. Die Täter sollen zwischen 25 und 30 Jahre alt gewesen sein. Einer von ihnen trug eine Lederjacke. Die Polizei sucht Zeugen.

Die Original-Pressemitteilung der Polizei Minden-Lübbeke auf dem Blaulichtportal der Polizei lautete hingegen:

POL-MI: Zwei Männer attackieren 12-jähriges Mädchen auf dem Bierpohlweg – Polizei sucht Zeugen

Minden (ots) – Ein 12-jähriges Mädchen ist am Donnerstagnachmittag auf dem Bierpohlweg von zwei unbekannten Männern attackiert worden. Während einer der mit einem Auto unterwegs gewesenen Angreifer das Mädchen am Arm festhielt, hat der Andere das Kind mehrfach gegen den Oberarm und die Schulter geschlagen. Zu Hilfe kamen der 12-Jährigen die Insassen eines vorbeikommenden Pkw. Während diese die Angreifer ihrerseits körperlich attackierten, konnte die 12-Jährige mit ihrem Fahrrad zu einer Freundin flüchten.

Anschließend meldeten sich die beiden Mädchen gemeinsam mit der Mutter der Freundin auf der Polizeiwache an der Marienstraße. Hier schilderte die 12-Jährige, dass sie mit ihrem Fahrrad allein auf dem Bierpohlweg unterwegs gewesen sei. Kurz vor dem Erreichen der Stiftsallee sei ihr gegen 15.30 Uhr ein schwarzes Auto entgegen gekommen. Da der Fahrer den Pkw direkt auf sie zusteuerte, habe sie anhalten müssen. Der Beifahrer sei ausgestiegen, habe sie kräftig am Arm ergriffen und ihr das Rad aus der Hand geschlagen. Obwohl sie vor Angst schrie, sei noch der Fahrer hinzugekommen und habe ihr die Schläge versetzt. Die beiden Angreifer hätten sich kurz in einer ausländischen Sprache unterhalten.

Auch die Insassen, zwei oder drei Männer, des zufällig vorbeikommenden zweiten Pkw, hätten die Angreifer in ausländischer Sprache angeschrien. Während es zu der körperlichen Auseinandersetzung zwischen den Männern kam, sei ihr die Flucht gelungen.

Bei dem Fahrer des Pkw soll es sich um einen etwa 25 bis 30 Jahre alten Mann handeln. Er ist circa 1,65 bis 1,70 Meter groß, hat schwarze, hochgegelte Haare und trug eine schwarze Lederjacke. Der Beifahrer ist etwa 25 Jahre alt und hat ebenfalls schwarze Haare. Er ist etwa gleich groß. Beide Männer haben ein südländisches Aussehen. Auch die zu Hilfe geeilten Männer sind dem Anschein nach Südländer.


Auch die Pressestelle der Kreispolizeibehörde Unna hat schon ähnliche Erfahrungen gemacht. In der Unnaer Behörde werde sorgfältig jedes über einen Täter bekanntes Detail genannt, wenn es der Ermittlung helfen könne. Doch ist es schon passiert, dass die diese Details (oder hinzugefügte Fotos) in Tageszeitungen nicht auftauchten. Etwa „osteuropäischer Akzent“ oder (der Klassiker) „südländisches Aussehen“.

Generell gilt für die Polizei NRW ein Runderlass des Innenministeriums vom 15. 12. 2008: die „Leitlinien für die Polizei des Landes NRW zum Schutz nationaler Minderheiten vor Diskriminierungen“. Darin heißt es unter 6: „Medienauskünfte enthalten nur dann Hinweise auf eine Beteiligung nationaler Minderheiten, wenn im Einzelfall ein überwiegendes Informationsinteresse oder ein Fahndungsinteresse dazu besteht.“

Im Weiteren weist der Erlass darauf hin:

–    Die Polizei des Landes Nordrhein-Westfalen richtet ihr Handeln und Auftreten entsprechend eines angemessenen Minderheitenschutzes aus. Unbeschadet ihrer rechtlichen Verpflichtung zur authentischen Dokumentation von Angaben Dritter bei Anzeigen, Vernehmungen oder Berichten verwendet die Polizei des Landes Nordrhein-Westfalen keine Stigmatisierungen, Kategorisierungen oder pauschalen Bezeichnungen für Menschen oder dafür gewählte Ersatzbezeichnungen.

–   Auf die Zugehörigkeit zu einer Minderheit wird in der internen und externen Berichterstattung nur hingewiesen, wenn sie für das Verständnis eines Sachverhaltes oder für die Herstellung eines sachlichen Bezuges zwingend erforderlich ist.

–  Form und Inhalt des polizeilichen Sprachgebrauchs im Innen- und Außenverhältnis sind so zu halten, dass sie nicht diskriminieren oder Vorurteile schüren.

–  Die Polizei des Landes Nordrhein-Westfalen vermeidet beim internen sowie externen Gebrauch jede Begrifflichkeit, die von Dritten zur Abwertung von Menschen missbraucht bzw. umfunktioniert oder in deren Sinne interpretiert werden kann.

Die BILD berichtete schon Anfang des Jahres 2016 über eine geheime Aufstellung des Landeskriminalamts (LKA). Danach wurden am 23./24. Januar sechs schwere Straftaten begangen, in die Asylbewerber verwickelt waren, die aber nicht in den Polizeiberichten auftauchten. Es handelte sich u. a. um eine brutale Schlägerei unter 6 jugendlichen Ausländern in Bensheim, die Bedrohung von Securityleuten in einer Notunterkunft in Langen und um einen Streit mit Messer und Besenstiel in einem Asylheim in Fuldatal. Zudem gab es eine üble Attacke eines Asylbewerbers auf seine hochschwangere Frau in einer Unterkunft in Frankfurt. In jedem Fall entschied die jeweilige Polizeipressestelle entschieden, dass auf eine Berichterstattung zu verzichten sei; mangels Interesse der Öffentlichkeit, weil es sich um jugendliche Täter oder um eine familiäre Auseinandersetzung mit „keinerlei Außenwirkung“ gehandelt habe.

Post Author: Redaktion

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